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Abseits des Platzes sah man Benedikt Höwedes 2014 meist mit Mütze. Beim WM-Gruppenspiel gegen die USA klatschte der Regen von Recife dem Nationalspieler die Haare an den Kopf – und die lichte Stirn war nicht mehr zu übersehen. Nach dem Turnier ließ sich der Weltmeister Haare vom Hinterkopf nach vorn verpflanzen, wie er der „Bild“ bestätigte: Geplant sei das lange gewesen, für eine Glatze fühle er sich mit 26 zu jung. Und er warnte vor Ungeduld: „Eine Haartransplantation ist halt keine Busen-OP.“ Was er damit meinte und was bei einer Verpflanzung wirklich passiert, erklärt Dr. med. Martin Koch, Facharzt für Chirurgie und Ärztlicher Leiter der Alster-Klinik Hamburg.
Warum nasses Haar die Wahrheit zeigt
- Trocken fiel niemandem etwas auf, im Regen war der Haaransatz plötzlich Thema. Warum sieht man lichtes Haar nass so viel deutlicher?
- Trockenes Haar täuscht Fülle vor: Jedes Haar steht ein Stück ab, die Frisur hat Volumen, und die Kopfhaut bleibt verdeckt. Nass legen sich die Haare flach an und zu Strähnen zusammen – dazwischen schimmert die Kopfhaut durch. Deshalb bemerken viele Männer ihren Haarausfall zuerst unter der Dusche oder im Schwimmbad. Bei Höwedes zeigte sich das typische Muster des erblich bedingten Haarausfalls: zurückweichende Stirn und Geheimratsecken, während der Haarkranz voll bleibt.
- Wann ist eine Haartransplantation überhaupt sinnvoll?
- Erst wenn die Ursache geklärt ist. Erblich bedingter Haarausfall ist die häufigste, aber nicht die einzige. Bei ihm ist die Verpflanzung neben wenigen Medikamenten die einzige Methode, die dauerhaft wirkt. Sie sollte aber nicht zu früh kommen: Der Haarausfall sollte sich stabilisiert haben, sonst verpflanzt man in eine Zone, die später weiter ausdünnt, und der neue Haaransatz steht irgendwann allein. Mit Mitte zwanzig, wie bei Höwedes, schauen wir deshalb besonders genau hin.
Vom Hinterkopf nach vorn
- Haare vom Hinterkopf nach vorn – wie funktioniert das?
- Die Haare im Haarkranz am Hinterkopf reagieren nicht auf die Hormone, die den Haarausfall auslösen. Diese Eigenschaft behalten sie auch am neuen Platz. Wir entnehmen dort einzelne Follikeleinheiten – Grafts mit ein bis drei Haaren samt Wurzel – und setzen sie in feine Kanäle an Stirn und Geheimratsecken, in der Richtung und Dichte, in der die eigenen Haare wachsen. Das dauert je nach Umfang drei bis vier Stunden, in örtlicher Betäubung und ambulant. Abends ist man wieder zu Hause.
- Höwedes sagte, eine Haartransplantation sei „keine Busen-OP“ – das Ergebnis brauche Monate. Stimmt das?
- Ja, und das ist der Punkt, den viele unterschätzen. Die verpflanzten Haare fallen in den ersten Wochen zunächst aus – die Wurzeln bleiben aber im Gewebe und ruhen. Nach etwa drei bis vier Monaten beginnen sie neu zu wachsen, zunächst fein, dann kräftiger. Das endgültige Bild sieht man nach rund einem Jahr. Wer im Sommer verpflanzen lässt, hat also im nächsten Sommer sein Ergebnis – nicht zur Rückrunde.
Was Fans jetzt wissen sollten
- Sieht man hinterher, dass verpflanzt wurde?
- Bei sauberer Technik nicht. Entscheidend ist der Haaransatz: Er darf nicht wie mit dem Lineal gezogen sein, sondern muss leicht unregelmäßig und in der richtigen Höhe liegen, sonst wirkt er künstlich. Die Entnahmestellen am Hinterkopf sind winzige Punkte, die schon nach kurzer Zeit im Haarkranz verschwinden – auch bei kurzem Haar.
- Wie lange fällt man aus – und wann darf ein Sportler wieder trainieren?
- Gesellschaftsfähig ist man nach etwa ein bis zwei Wochen, wenn Krusten und Rötungen abgeklungen sind. Duschen ist nach unserer Anleitung sofort wieder möglich. Schweißtreibender Sport, Sauna und pralle Sonne warten vier bis sechs Wochen – das schützt die frischen Grafts. Ein Profi wie Höwedes hat den Eingriff deshalb klug in die Sommerpause gelegt.
- Und wer nach diesem Artikel seine eigene Stirn im Spiegel prüft?
- Der sollte zuerst klären lassen, warum die Haare gehen. Dann besprechen wir ehrlich, was eine Verpflanzung erreichen kann und was nicht: Sie verteilt vorhandene Haare neu, sie vermehrt sie nicht. Bei der richtigen Erwartung ist sie einer der dankbarsten Eingriffe, die wir machen – weil die Männer danach den Regen wieder ohne Mütze abwarten.
Zu diesem Beitrag: Die Zitate von Benedikt Höwedes stammen aus der „Bild“ (2014). Über Ablauf, Voraussetzungen und Kosten einer Haarverpflanzung informiert unsere Seite zur Haartransplantation.






